Selbstvorstellung

Als am Abend des 8. Mai 2006 im Kapitulationsmuseum in Karlshorst auf den 61. Jahrestag des Sieges über den Faschismus angestoßen wurde, waren auch wir dabei. Wir hatten noch einen weiteren besonderen Grund zu feiern. Wir, das sind Frauen und Männer unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Berufe und aus unterschiedlichen Bezirken Berlins, die sich aus langjähriger antifaschistischer Arbeit kennen, wollten an diesem bedeutsamen Tag, unseren Eintritt in die VVN erklären.

Wir wollten ein Zeichen gegen den „erinnerungspolitischen Gezeitenwechsel" setzen, mit dem verdeckt oder offen Geschichtsrevisionismus betrieben wird. Einer Verharmlosung der faschistischen Verbrechen durch skandalöse Gleichsetzungen sowie der Relativierung der deutschen Verantwortung am Zweiten Weltkrieg und am Holocaust wollen wir aktiv im Rahmen der VVN entgegenwirken. Denn gerade im Zusammenhang mit dem 60. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands und der Befreiung vom Faschismus musste man ein wahres geschichtsrevisionistisches Feuerwerk über sich ergehen lassen. Immer wieder wurde und wird der Versuch unternommen, durch das unterschiedslose Gedenken eine Vermischung von Opfern und Tätern zu ermöglichen.
Nachdem es im Jahr 2005 zahlreiche politische Auseinandersetzungen zur Bewertung dieses Ereignisses aber auch unzählige Feierlichkeiten sowie einen versuchten Nazi-Aufmarsch in Berlin gegeben hatte, war es im letzten Jahr sehr still. Geradezu unbemerkt von der Öffentlichkeit fanden sich im Kapitulationsmuseum und anderswo vor allem jene Menschen ein, für die dieser Tag alljährlich ein Grund und ein Herzensbedürfnis ist, öffentlich zu gedenken und auch zu feiern. So wollten wir - ganz im Sinne von Ernest Hemmingway – diesen Schritt, unseren Eintritt in die VVN, in einem würdigen Rahmen und bewusst an einem Tag von historischer Bedeutung tun. Hemmingway hatte treffend festgestellt: „Jeder Mensch, der die Freiheit liebt, hat der Roten Armee mehr zu verdanken, als er jemals in seinem Leben bezahlen könnte.“
Durch Vermittlung von Gesine Lötzsch (Bundestagsabgeordnete der Linkspartei.PDS aus Lichtenberg), die wie jedes Jahr zu den Feierlichkeiten ins Kapitulationsmuseum gekommen war, erlaubte uns der Direktor des Museums, an jenem Tisch Platz zu nehmen, an dem vor 61 Jahren in Berlin-Karlshorst, in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 um 23.15 Uhr, d.h. 02.15 Uhr Moskauer Zeit, die Repräsentanten der Siegermächte, Marschall der Sowjetunion Shukow, Sir Arthur Tedder (britischer Air-Marshall) sowie der amerikanische General Spaatz und der französische General de Lattre de Tassigny saßen und im Beisein der deutschen Vertreter Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpf die bedingungslose und vollständige Kapitulation Nazi-Deutschlands unterzeichneten. An diesem Tisch unterschrieben wir unseren Aufnahmeantrag und erklärten damit unseren Beitritt zur VVN.
Da wir seit vielen Jahren gemeinsam antifaschistisch auch über Berlin hinaus aktiv sind, haben wir uns entschlossen, diesen Aktivitäten einen strukturellen Rahmen in der VVN zu geben und uns in einer eigenen BO beim Berliner Landesvorstand zu organisieren.

Eine Informationsseite zum 62. Jahrestag
der Zerschlagung des Nazismus.
Hergestellt vom VVN-BdA BO "8.Mai"

Unterstützt von

VVN-BdA Berlin
Evrim Baba
Antifaschistische Initiative Moabit
Autonome Antifa Prenzlauer Berg

Weitere Links

Museum Karlshorst

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